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Die liebe Not vor dem ‚freudigen Ereignis‘

Angst vor der Geburt potenzieller Kinder habe ich schon seit Ewigkeiten. Ungefähr von dem Tag an, als meine Mutter mir im schätzungsweise vorpubertären Alter ungefragt etwas sagte wie ‚die Geburt ist eigentlich gar nicht so schlimm, wie sie immer dargestellt wird…‘. Was eigentlich als Ermutigung gedacht war, hatte einen merkwürdigen Beigeschmack á la ‚ich bin sicher, dass du dich schon jetzt davor fürchtest und JA das solltest du auch, aber V E R DA M M T NOCHMAL ich will irgendwann Enkelkinder, also stell dich nicht so an!!‘. Was lieb gemeint war, ratterte die folgenden Jahre in meinem Kopf und ließ mich hoffen, dass bis zur potenziellen Empfängnis und Geburt meiner Kinder unglaublich revolutionäre medizinische Möglichkeiten auf dem Markt sind, die das Baby völlig ungefährlich und absolut schmerzfrei quasi aus dem Uterus ins Leben beamen.

Im Laufe der nächsten Jahre verfestigten sich meine Ängste noch. Als eine meiner engsten Freundinnen als erste in unserem Freundeskreis schwanger wurde, erfuhr ich quasi aus erster Hand, dass eine Geburt durchaus traumatisch sein kann. Ich weiß nicht mehr welche Komplikationen es genau gab, aber die Angst und der Schreck der vergangenen Stunden standen ihr ganz deutlich ins Gesicht geschrieben, als ich sie am nächsten Tag im Krankenhaus besuchte- für mich war sie damals eine echte Heldin!! Mit den Jahren folgten viele weitere Geburten im Freundeskreis…manche Frauen bekamen ein Kind nach dem anderen, sie schienen einfach nur so rauszuflutschen und es wurde auch nicht viel darüber gesprochen (meist fragte ich auch nicht weiter danach…). Ich versuchte das Thema so weit wie möglich zu verdrängen, zumal es in der damaligen Lebensphase für mich eh keine Relevanz hatte…

Das sollte sich jedoch fünf Wochen nach meinem 31.Geburtstag und gut vier Wochen nach unserer Hochzeit schlagartig ändern: Mit einem überraschend positiven Schwangerschaftstest in der Tasche und akut einsetzender Schnappatmung, als sich der Gynäkologe nach Zwillingen in unserer Familie erkundigte, war ans Beamen in der Geburtshilfe dann wohl doch noch nicht zu denken. Die Babies waren bereits im Bauch und eins stand fest: In weniger als neun Monaten würden sie diesen verlassen müssen – oh Schreck!! Ich, die ich – wie so viele andere Frauen wohl auch – mehr als einen gesunden Respekt vor einer natürlichen Entbindung hatte, sollte nun auch noch ZWEI Babies bekommen!! Nachdem ich mich nach ungefähr 10 Wochen vom ersten Schreck erholt hatte, beschloss ich die Sache nach dem Motto ‚Es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen…‘ anzugehen und erkundigte mich beim Kennenlernabend in der Hebammenpraxis unter den anerkennenden Blicken der anderen 10 zukünftig Gebärenden und ihren Partnern nach der Möglichkeit einer Zwillingshausgeburt. Doch der Mut zu dieser Überlegung speiste sich damals vor allem aus der Tatsache, dass ‚das freudige Ereignis‘ noch satte 26 Wochen in der Zukunft lag – bis dahin konnte (und musste!) noch viel passieren…

Zu meiner vermeintlichen Enttäuschung und unendlichen Erleichterung begleiteten die anwesenden Hebammen jedoch keine Hausgeburten von Zwillingen…dann wohl doch auf jeden Fall Krankenhaus!! Dass es Frauen gibt, die ihre Zwillinge auf natürlichem Weg geboren hatten, hatte ich bereits vereinzelt gehört. Deshalb antwortete ich auf die Frage sämtlicher Ärzte, ob ich denn eine Spontangeburt anstreben würde, grundsätzlich mit ‚Ja, denn was bleibt mir anderes übrig?‚. Anstreben? – das klang so aktiv, dynamisch und zielstrebig. In Wirklichkeit konnte ich mir aber nicht mal vorstellen, wie EIN Baby den Weg nach draußen finden sollte…geschweige denn zwei!! Aber scheinbar wurde von mir als werdender Mutter eine positive Ausstrahlung von Zuversicht und Urvertrauen in das erwartet, was Generationen von Frauen schon vor mir gemeistert hatten!! So vergingen die Wochen und ich hangelte mich von Ultraschall zu Ultraschall (den man meiner Erfahrung nach bei Zwillingen viel häufiger hat als ’normal‘)…eine aktive Auseinandersetzung mit meinen Ängsten zum Thema ‚Geburt‘ war mir damals irgendwie nicht möglich. Die Tatsache, dass ich keine ‚Vorbilder‘ im Freundeskreis hatte, die schon Zwillinge zur Welt gebracht hatten, hat mich irgendwie blockiert und ich habe viel zu viel über die Risiken und Komplikationen von Mehrlingsschwangerschaften und -geburten in sämtlichen Internetforen gelesen. Vielleicht spielte diese psychische Komponente, die Tatsache, dass ich mir eine natürliche Geburt nicht wirklich zutraute, auch in den weiteren Verlauf der Schwangerschaft mit rein. Zwar fühlte ich mich durchweg fit und gut und auch die Babies waren stets gesund und munter, jedoch stand mit fortschreitender Zeit bald fest, dass die Kinder sich aufgrund von Platzmangel wohl nicht mehr aus der Beckenendlage in die ’normale‘ Geburtsposition drehen würden. Im Klartext bedeutete dies: Kaiserschnitt! Ich muss zugeben, dass ich damals seltsam erleichtert war, als ich diese Prognose aus dem Mund der Ärztin hörte…War eine Unterleibs-OP bei vollem Bewusstsein denn wirklich so viel angenehmer, als eine natürliche Geburt? War meine Angst vor der der Selbsthingabe und der aktiven Gestaltung dieses vermeintlich unkontrollierbaren Erlebnisses wirklich so unüberwindbar, dass ich bereitwillig die Zügel aus der Hand gab und mich der modernen Geburtsmedizin übergab? Ich kann es heute immer noch nicht wirklich sagen und möchte das ganze auch nicht be- oder verurteilen. Damals strömte das ganze Neue auf mich ein und ich hatte einfach ganz menschliche Zweifel, ob ich dem ganzen gewachsen sein würde. Es kam zum Kaiserschnitt und – trotz einiger Komplikationen und unerwarteter Verläufe – haben wir alle diese erste und aufregende Geburt gesund und munter überstanden…

Aus damaliger Sicht war ich sehr dankbar für die Möglichkeiten der modernen Geburtsmedizin, auch wenn meine Erfahrungen nicht annähernd an das rankommen, was viele Frauen als ’schönes Geburtserlebnis‘ bezeichnen würden…

Aktuell bin ich wieder schwanger, mit unserem dritten Kind! Ich freue mich riesig und das ganze fühlt sich so ganz anders an als vor zwei Jahren…alles ist viel selbstverständlicher und herrlich unaufgeregt! Anders als beim letzten Mal habe ich sämtliche Internetforen gemieden und mich stattdessen mit ermutigender und positiver Literatur versorgt. Und siehe da: Durch die aktive Auseinandersetzung mit meinen über die Jahre angesammelten diffusen Ängsten, habe ich ein tiefes Urvertrauen in meine weiblichen Kräfte und in Gottes guten Plan für unseren gemeinsamen Start zu fünft entwickelt…und: mich für eine Hausgeburt entschieden!!

Erwarten tue ich weder Schmerzfreiheit noch permanente Tiefenentspannung (dafür kenne ich mich zu gut – ich werde tierisch aufgeregt sein!!), sondern vielmehr eine intensive gemeinsame Erfahrung, die uns positiv verändern und als Paar noch mehr zusammenschweißen wird!!

Aktuell sind es noch ungefähr 14 Wochen bis zur Geburt – ich bin total gespannt darauf und freue mich riesig!!

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Ermutigende und positive Literatur zum Thema Geburt in Eigenregie. 

Alleingeburt - Schwangerschaft und Geburt in Eigenregie

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