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Nach dem Strand – gestrandet?

Mutige Sinnsucher oder verirrte Gestrandete … auf der Suche nach einem neuen Zuhause sind wir beides, mal so und mal so, aber  zwei Monate vor unserer Elternzeit in Thailand, fühlen wir uns öfters wie letztere…

„Oh ich bewundere euch für eure Schritte“ staunen manche, „ihr macht genau das Richtige“ werden wir bestätigt und „wie macht ihr das nur?“ fragen die einen, „da habt ihr euch aber viel vorgenommen“, feedbacken die anderen. „Ihr seid doch völlig cräzy“, hören wir aber auch nicht selten. Gerade die eher verhaltenen Reaktionen spiegeln im Moment auch eher unsere Gefühlswelt wieder.

Unsere Wohnung in Essen ist gekündigt. Ab Januar warten zwei Monate Thailand auf uns, was ganz wundervoll und spannend ist, aber noch völlig unklar ist: Wo werden wir nach Thailand leben, wo gehen die Kinder dann mitten im laufenden Jahr in den Kindergarten? Wo stellen wir während der Auslandszeit unseren Hausstand hin?

In den letzten Monaten irrten wir herum wie das Volk Israel in der Wüste und es fühlt sich auch so an, wie endlose 40 Jahre, seit dem der Wunsch in uns aufgekommen ist, in der Natur mit anderen netten, offenen, gläubigen Jungfamilien unser Leben zu teilen – christliche Hausgemeinschaft, Community oder wie man das auch immer nennt, aber mit Fun und undogmatisch. Unsere Kinder sehen wir bestenfalls in Gemeinschaft mit anderen Kindern aufwachsen. Sie haben andere erwachsene Bezugspersonen, andere als nur Mama, Papa und ab und zu die Großeltern. Denn das alles tut ihnen sehr gut. Und zusätzlich vergammeln wir nicht allein in der Elternrolle, haben Freunde als Nachbarn, mit denen abends ohne groß viel Orga ein Abend mit Stockbrot und Wein möglich ist, unkompliziert, vor allem unkompliziert. Und doch fühlt sich dieser Wunsch mittlerweile wie ein Hirngespenst an, eine Fata Morgana, die nur in unseren Köpfen zu existieren scheint.

Wir haben uns auf unserer Suche schon ein sogenanntes kerniges Dorf in Flegessen angesehen, haben mit dem Gedanken gespielt nach Neubrandenburg, Karlsruhe und Schloß Röhrsdorf (nähe Pirna) zu ziehen, doch alle Optionen haben sich letztendlich nicht richtig angefühlt. Die Gründe dafür sind unterschiedlich … oft waren es aber unsere Bedürfnisse, die sich mit jeder Fahrt aufs Neue bei uns geändert, justiert und verfeinert haben … und bei uns ändert sich ständig was – Stillstand Fehlanzeige.

Wichtiger denn je: Der absurde Wunsch moderner Eltern: Ein Abend als Paar zum Beispiel. Der letzte ist mehr als 3 Monate her und der nächste nicht in weniger als 6 Monaten in Sichtweite – nicht weil wir uns keinen Babysitter leisten können oder wollen, … es geht gerade einfach nicht. In entfernter Zukunft geht das auch nur, wenn wir auf die Hilfe der Großeltern entgegennehmen. So hat sich in letzter Sekunde der Radius unserer Stecknadel auf Google Maps auf Kassel +50 KM beschränkt, in der Nähe der Verwandtschaft.

Wenn wir nach unseren Gemeinschaftsexpeditionen wieder zurück in den Ruhrpott kommen und unseren Freunden die neusten Entwicklungen und Erlebnisse schildern wird es jedenfalls nie langweilig. „Immer was Neues bei den Verwirrten“, immer wieder eine Änderung, immer wieder eine neue Option. Und nun, 2 Monate vor unserem Abflug und der Wohnungsaufgabe (!!!) haben wir immer noch kein neues Zuhause. Zwar eine Option, die wir uns sehr gut vorstellen können, die aber seit 2 Wochen gehörig wackelt.

Warum machen wir das nur? Wär es nicht besser einfach dort bleiben, wo wir sind? Uns dem Schicksal einfach ergeben? Oder endlich mal eine Entscheidung in Anbetracht der tickenden Uhr zu treffen? Mal was durchzuziehen, obwohl es nicht Plan A ist, nicht der Ort der Sehnsucht?

Ja. Und. Nein. Und dann wieder vielleicht.

Wir sind gerade so hin und her geworfen. Gewinnen mehr und mehr unsere Feunde in Essen lieb, fühlen uns mit Ihnen verbundener als je zuvor … und dann wieder die ernüchternde Erkenntnis des Alltags: Unsere Treffen und Gemeinschaft sind zwar von sehr hoher Qualität und durch nichts und niemanden zu ersetzen, doch von Montag bis Samstag Nachmittag ist es ein langer Weg mit Kleinkindern und einem Säugling für uns. Ständig sind wir dabei unsere Kinder zu rocken, ohne Paarzeit, ohne Entlastung, ohne Wochenende, geschweige kleinen Freizeitinseln, und wenn dann wieder ein Familienmitglied krank wird, ist wieder Land unter und alle Nerven liegen blank … Das ist kein Vorwurf an irgendwen, keine Beschwerde und natürlich ein mit allem Bewusstsein entschiedener, selbstzuverantwortener Zustand, der uns als Familie unendlich stolz macht – ein Privileg, ein Wunder, ein Traum, verheiratet zu sein, Kinder zu haben, gesund und zusammen sein zu dürfen. Aber, das große Aber, … wir sind als Familie einfach nicht dafür geschaffen in einer Großstadt zu leben, über weite Strecken der Woche isoliert, ohne Entlastung, mit zu seltenem Ausstausch. Es reicht uns nicht jeden Tag von Smalltalk auf dem Spielplatz zu leben, es reicht uns nicht als Paar nur noch ein perfekt abgestimmtes Team zu sein, was jeden Abend einzeln ins Bett fällt. Gute Nacht, ich liebe dich, bis morgen. Wenns super läuft, ist noch eine Folge Modern Family drin, bevor wir wegdösen. Es reicht uns nicht nur nicht aus, es erschöpft uns auch volle Kanne.

Auch wenn wir bisher gefühlt keinen Erfolg bei unserer Suche nach unserem persönlichem Bullerbü haben, sich alles ständig bei uns ändert, so denk ich mir, haben wir es doch zumindest versucht, uns danach auszustrecken, die Sehnsucht am Schopf zu packen, die Dinge nicht nur zu durchdenken, sondern praktisch zu Orten hinzufahren, es auf uns wirken zu lassen, zu fühlen, nachzuspüren. „Ja“ und dann doch wieder „nein“ zu sagen, euphorisch und dann doch wieder total geknickt zu sein. In all dem vertrauen wir auf Gott, dass er unsere Sehnsucht kennt, dass er sie sogar in uns hinein gelegt hat. Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach Natur, nach Verbundenheit, Minimalismus, Teilen, zusammen lachen, weinen, spielen und tanzen …

Und dass es am Ende nicht nur um uns geht, sondern um etwas viel Größeres als nur um unser Familienego, sondern eventuell um Sinn, neue Freundschaften, um Veränderung, um Gottes Himmelreich auf Erden, an dem wir uns beteiligen dürfen und mit unseren 3 Kindern, unseren Persönlichkeiten, unsere Fähigkeiten, unseren Fehlern, Stärken und Unzulänglichkeiten, unserer Kreativität… mit alldem was uns ausmacht neues Leben zu stiften und durch andere bereichert zu werden.

Irgendwo wird dieser Ort sein, aber vielleicht werden wir nicht sofort dort landen, und wahscheinlich wird er nicht für immer „der Ort“ bleiben, da wir uns wieder verändern werden, unsere Bedürfnisse, unsere Sehnsüchte … aber eines wissen wir, wir müssen uns auf den Weg machen, jetzt, bald, und in Zukunft immer wieder.

Es bleibt also weiterhin spannend. Wir hoffen und beten weiter, dass Gott ein paar Türen öffnet (und nicht nur schließt, wie es sich im Moment zumindest an einem Oktobertag anfühlt).

4 Kommentare

  1. Hey, ihr seid mutig! Ihr geht voran! Total bewundernswert! Und ich hoffe und bete dass ihr den Ort des Friedens für euch findet.

    • Robin sagt

      Wow liebe Inge, das tut gut zu hören, so schön dich an unserer Seite zu haben, auch wenn es gerade wegen Menschen wie dir total schwer ist, Essen den Rücken zu kehren – Big Hug

  2. Nicolas Balachandran sagt

    Hey Robin,
    I love your story so much! I know it feels crazy when you run into the unknown but I feel God’s handwriting all over your family life.
    Few options that came to my mind while reading this blog that give you more things to pray, wait, hope & believe for:
    – a God send, Holy Spirit filled nanny that feels called to help you as a family and do life with you in the kingdom regardless where that might be.

    – a job that is pays you so much $$$ where you can use your creativity to get anything that you feel meets the need

    – funding/ sponsor for you to start the community that you’re looking for with your spiritual-DNA. I think you would be a great leader for some modern day kingdom hippies:)

    – a commercial sponsor that pays you more than Enough cash to create online content about being a modern day family. That way you can make cash by just beeing a dad. You’re an amazing storyteller, so seeing your family life through your lense would be very entertaining:)

    – somebody giving you a piece of land where you can do what ever you feel God is calling you to do.

    Nothing is impossible for you guys with Jesus!
    Love you very much!
    Nic

    • Robin sagt

      Hey Nic, so inspiring! Everything you write is connecting deeply with our hearts and it feels like: this would „just too good to be true“ and „is God really that good?!“
      – yes to that nanny
      – yes to that job
      – yes to those modern hippies
      – yes to that sponsor
      – yes to that piece of land
      – yes yes yes
      So who ever is following that conversation …
      After your comment the sky feels open again on one hand and on the other I feel smaller than ever. Thanks so much for being a part of our „navi nach nirgendwo“ and for making that song sound so perfect be blessed!

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