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Vom Verschenken, Aussortieren und Wiederverwerten oder die Suche nach dem ‚guten Leben’…

Ich bin grad total versessen auf’s Aussortieren und ‚leichter werden’…keine Ahnung, wann das genau anfing und wie ich drauf gekommen bin, aber eins ist sicher: Zur Zeit ist nichts, aber auch rein gar nichts in unserer zugegebenermaßen schon nicht sehr üppig bestückten Wohnung vor mir sicher! Gerade eben erst habe ich mich bei dem sich penetrant aufdrängenden Gedanken ertappt eine unserer beiden einzigen Kommoden bei ‚Kleinanzeigen‘ reinzustellen. Das wäre ja auch nicht weiter schlimm, wenn wir noch zahlreiche Schränke und anderen Stauraum hätten, aber – ups – wir haben faktisch gesehen GAR keinen Schrank (!!) – abgesehen von zwei zierlichen Küchenbuffets, in welche gerade mal Küchenutensilien für einen Singlehaushalt passen. Nen Kleiderschrank hab ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr…irgendwie gefällt mir der Gedanke in einem plötzlichen Anflug von akutem Fernweh meine Habseligkeiten zusammenklauben und in einen PkW schmeißen zu können. Als Single war das auch recht praktikabel und nicht unbedingt außergewöhnlich, aber nun in einem Vier-Personen-Haushalt?!

Gerade in den letzten zwei Jahre mit Kindern hat sich doch trotz ernstzunehmendem Vorsatz der Konsumverweigerung von Neuwaren so mancher Klimbim angesammelt, der mir hin und wieder auf der Seele lastet, mich zumindest nicht gerade beflügelt. Seit unsere Zwillinge aus der akut anstrengenden Babyphase rausgewachsen sind, d.h. seit ca. vier Monaten, habe ich offensichtlich wieder etwas mehr gedankliche Kapazitäten, die mir den Weg in die Überschaubarkeit, wohltuende Leere (hachja!!) weisen. Das hängt wohl mit dem tieferen Wunsch zusammen sich weniger Gedanken um ‚Dinge‘ machen zu müssen, weniger mit Hausarbeit und Aufräumen beschäftigt zu sein (denn wer wenig hat, muss sich auch um wenig kümmern), mehr die Einzigartigkeit eines Gegenstandes schätzen zu können, der eine einzigartige Funktion und Schönheit in meinem Leben einnimmt und von dem es nicht noch drei oder vier ähnliche Exemplare gibt. Das kann sogar so weit gehen, dass ich mir manchmal vorstelle wie es wäre für jeden nur ein Glas, einen Teller und einmal Besteck zu haben – aber dass das dann im Alltag nur anstrengend und nicht sehr praktikabel wäre sehe ich ein. Dennoch bleibt der Wunsch nach mehr Leichtigkeit, Vereinfachung vielleicht auch der Komplexität des Alltags, nach Stressreduktion, Überschaubarkeit, die der Seele gut tut, mich erdet, gründet. Und auf der anderen Seite steht der Drang all den Dingen, die bei mir keine Verwendung finden, einen Sinn und eine neue Bestimmung zu geben, jemanden zu finden, der genau dieses oder jenes brauchen kann und sich darüber freut. Wegwerfen ist dabei wirklich die allerletzte Option….Seitdem wir vor 2,5 Jahren nach unserer Hochzeit unsere erste gemeinsame Wohnung bezogen haben, hat schon so manches kleines und großes Schätzchen auf unserer Türschwelle den Besitzer gewechselt. Da wurden Bücher, Stühle, Tische, Trekkingrucksäcke, Küchenschränke, Hochstühle, Babyutensilien und an glückliche neue Besitzer übergeben, völlig Fremde saßen in unserem Flur und begutachteten unsere inserierte Campingausrüstung oder probierten einen von mir gern getragenen Parka an. Das sind kleine Sternstunden auf dem Weg der Sehnsucht nach mehr Überschaubarkeit unserer Habseligkeiten und unseres Lebens, im Herzen die Frage ‚was brauche ich wirklich?‘ oder im größeren Zusammenhang ‚was bereichert mein Leben und macht mich glücklich?‘. Fragen, die sich wohl jeder stellt und nicht bei jedem führt der Weg über das Abwerfen (materiellen) Ballasts.

Eine weitere Erklärung für dieses Sehnsucht nach ‚wenig Gepäck‘ liegt wohl auch in der Ahnung, dass ich räumlich betrachtet noch nicht dort angekommen bin, wo ich mich niederlassen möchte. Ich weiß es nicht ganz genau, aber meine Mutter behauptet ich sei seit meiner Volljährigkeit sage und schreibe 16 Mal (!!) umgezogen. Davon natürlich auch zahlreiche Male innerhalb der Stadt, in welcher ich studiert habe – von befristetem WG-Zimmer zu befristetem WG-Zimmer. Danach aber auch von Stadt zu Stadt, von Sehnsuchtsort zu Sehnsuchtsort. Jede Station war eine unvergleichliche Zeit – zuletzt habe ich sogar sieben Jahre mein Zuhause im hohen Norden gefunden. Dennoch packte mich nach einer gewissen Zeit an einem Ort stets eine seltsame Unruhe und die Frage nach dem Weiterziehen, die Sehnsucht nach anderen Varianten meines Lebens, die besser zu mir passen würden…Oder war es vielleicht doch eher ein Weglaufen? Der Wunsch sich dem Alltag nicht weiter stellen zu müssen, Probleme leicht aus dem Weg schaffen zu können und einfach den Reset-Knopf zu drücken…? Ich weiß es nicht und denke aktuell gerade, dass es wohl irgendetwas dazwischen ist. Auf jeden Fall möchte ich weiterhin überprüfen, wo und wie ich gern leben möchte, was mir gut tut und was mir tagtäglich Energie raubt. Ich weiß, dass – wenn ich morgens aus dem Fenster schaue – mir ein weiter Blick ins Grüne besser tut als der Blick auf eine Hausfassade. Der Alltag in der Stadt belebt mich wenig und verstärkt den Wunsch nach Einfachheit und Flexibilität. Zugegeben: Die Phase in der ich unbedingt in einer Jurte im Wald leben wollte habe ich mit Robin kontrovers diskutiert und  (mittlerweile amüsiert) hinter mir gelassen…es folgten die ‚gar keinen festen Wohnsitz haben und nur reisen‘- und die ‚wir leben von nun an im Wohnmobil‘-Phase. Alles für uns zumindest keine dauerhaften Optionen, aber hey, auch nicht völlig abwegig es mal zeitweise auszuprobieren…und bis dahin geht sie weiter, die Suche nach dem ‚guten Leben’….

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